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Nachhaltigkeit in der Abfallwirtschaft bei der WEV

Wie sich Nachhaltigkeit in der Abfallwirtschaft praktisch umsetzen lässt, zeigte eine Fachpräsentation der Westsächsischen Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft mbH am 11. Juni 2026. Anhand der Zentraldeponie Cröbern wurden Beispiele aus sicherer Deponierung, Klimaschutz, Energieversorgung, Biodiversität sowie Bildung und fachlichem Austausch vorgestellt.

Deponien und Anlagen der WEV

Die WEV betreibt die Zentraldeponie Cröbern und begleitet die Stilllegung und Nachsorge der Deponien Seehausen und Groitzsch. Für die sichere Deponierung von Abfällen steht ein Verfüllvolumen von 12,8 Millionen Kubikmetern zur Verfügung.

Am Standort Cröbern werden außerdem zwei zentrale Abfallbehandlungsanlagen betrieben:

  • Kompost-Energie-Anlage: Bis zu 42.000 Megagramm Bioabfall werden zu Kompost und Biogas verarbeitet.
  • Mechanisch-biologische Abfallbehandlungsanlage: Rund 190.000 Megagramm Abfall, überwiegend Haus- und Sperrmüll, werden behandelt.

Wann kann eine Deponie nachhaltig sein?

Die Präsentation orientiert sich an dem Grundsatz, die Möglichkeiten künftiger Generationen nicht zu gefährden. Danach kann eine Deponie nachhaltig sein, wenn sie mehrere Bedingungen erfüllt:

  • Sie dient bei der Beseitigung von Altlasten als Schadstoffsenke.
  • Sie ergänzt die Kreislaufwirtschaft als sichere Schadstoffsenke.
  • Die Ablagerung bleibt dauerhaft sicher.
  • Akute und spätere negative Umweltauswirkungen werden vermieden.
  • Alle künftigen Aufwendungen sind durch ausreichend hohe Rückstellungen finanziert.

Drei Handlungsfelder der Nachhaltigkeit

Die Nachhaltigkeitsarbeit der WEV wurde in der Präsentation drei Handlungsfeldern zugeordnet:

  1. Basisaufgaben: Verwertung und sichere Entsorgung von Abfällen
  2. Energie, Umwelt und Natur: saubere Energie, Klimaschutz und Schutz der biologischen Vielfalt
  3. Personal und gesellschaftliches Engagement: Gesundheit, Bildung, Chancengleichheit und Zusammenarbeit

Die Handlungsfelder wurden mit ausgewählten Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen verknüpft.

Klimaschutz Anlage Zentraldeponie Cröbern
Klimaschutz Anlage Zentraldeponie Cröbern

Klimaschutz auf den Deponien

Für die Deponien Cröbern, Groitzsch und Seehausen wurden drei Klimaschutzprojekte vorgestellt. Im Mittelpunkt steht die Verringerung von Emissionen aus Deponiegas.

  • Zentraldeponie Cröbern: Optimierung der Deponiegasfassung durch eine temporäre Oberflächenabdeckung aus Kunststoffdichtungsbahn und Flächendrainage. Die angegebene Einsparung beträgt rund 1.400 Megagramm CO₂-Äquivalente.
  • Deponie Groitzsch: Aerobe In-situ-Stabilisierung durch Belüftung ausgewählter Gasbrunnen und den Neubau einer Schwachgasbehandlungsanlage. Die angegebene Einsparung beträgt rund 3.000 Megagramm CO₂-Äquivalente.
  • Deponie Seehausen: Optimierung der Gasfassung durch den Umbau von Fackel und Verdichterstation, die Ertüchtigung bestehender Brunnen und vier neue Gasbrunnen. Die angegebene Einsparung beträgt rund 36.000 Megagramm CO₂-Äquivalente.

Die Kosten werden mit weniger als 100 Euro je eingespartem Megagramm CO₂-Äquivalent angegeben.

Emissionen aus dem Deponiebetrieb

Ein weiterer Schwerpunkt war der Kraftstoffverbrauch der im Deponiebetrieb eingesetzten Fahrzeuge und Geräte. Dazu gehören unter anderem Raupen, Radlader, Kompaktoren, Lastkraftwagen und Bagger sowie Fahrzeuge und Geräte für Hilfsfunktionen.

Für die Zentraldeponie Cröbern wurde ein Verbrauch von rund 0,4 Litern Diesel je Megagramm abgelagertem Abfall dargestellt. Dies entspricht etwa einem Kilogramm CO₂ und insgesamt rund 350 Megagramm CO₂-Äquivalenten pro Jahr.

Zur Verringerung dieser Emissionen untersucht die WEV die Dekarbonisierung ihrer Dieselantriebe. Als Möglichkeiten wurden elektrische Antriebe und der Einsatz von HVO-Kraftstoff betrachtet.

Elektromobilität und saubere Energie in Cröbern

Als Praxisbeispiel wurde ein elektrischer Vierachs-Lastkraftwagen mit Hakenliftaufbau vorgestellt. Die Präsentation zeigt das Fahrzeug vor einer Photovoltaikanlage sowie beim Ladevorgang.

Die Energieversorgung am Standort Cröbern verbindet mehrere Quellen:

  • Deponiegas,
  • Gas aus der Bioabfallvergärung,
  • eine Photovoltaikanlage mit 1,4 Megawatt,
  • eine weitere Photovoltaikleistung von 6,9 Megawatt.

Ein Gasspeicher soll die Nutzung des erzeugten Deponiegases insbesondere in den Nachtstunden unterstützen. Überschüsse können dem Strommarkt zur Verfügung gestellt werden. Auch die Versorgung von Fahrzeugen ist Teil des dargestellten Energiekonzepts.

Biodiversität auf dem Betriebsgelände

Nachhaltigkeit in der Abfallwirtschaft umfasst bei der WEV auch die ökologische Entwicklung des Standorts. Die Präsentation zeigt verschiedene Maßnahmen und Lebensräume auf dem Gelände der Zentraldeponie Cröbern.

  • offene und strukturreiche Flächen,
  • Totholz als Lebensraum,
  • junge Gehölze und extensiv gepflegte Grünflächen,
  • Blühflächen am Betriebsgelände.

Als Beispiele für vorkommende Tierarten werden eine Zauneidechse, ein Bienenfresser und eine Gottesanbeterin gezeigt.

Biodiversität | Beispiele am Standort

Die Deponie als Lernort

Die Zentraldeponie Cröbern wird auch für Bildung und Austausch genutzt. In Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Abfallwirtschaft Westsachsen erhalten Kinder und Jugendliche Einblicke in Abfallbehandlung, Umwelt- und Ressourcenschutz.

Die Präsentation zeigt Lerngruppen bei Veranstaltungen im Gelände sowie bei Besichtigungen technischer Anlagen. Ein weiterentwickelter Lernort auf der Zentraldeponie befand sich zum Zeitpunkt der Präsentation im Genehmigungsverfahren.

Regionaler und internationaler Austausch

Die WEV berichtete über einen fachlichen Austausch mit Beteiligten aus mehr als 50 Ländern, darunter Australien, Mexiko und Vietnam.

Auf regionaler Ebene wurde ein Ideenwettbewerb zur Zukunft der Zentraldeponie Cröbern durchgeführt. Insgesamt gingen 58 Beiträge ein, von denen acht ausgezeichnet wurden. Die vorgestellten Entwürfe befassten sich unter anderem mit der Landschaftsgestaltung, einem Denkmal des Anthropozäns, einer Aussichtsplattform und einem Energie-Erlebnis-Park.

Preisträger Ideenwettbewerb Zentraldeponie Cröbern
Preisträger Ideenwettbewerb Zentraldeponie Cröbern

Nachhaltige Abfallwirtschaft als umfassende Aufgabe

Die Praxisbeispiele aus Cröbern zeigen Nachhaltigkeit als Verbindung von sicherer Entsorgung, Klimaschutz, erneuerbarer Energie, Artenvielfalt und Bildungsarbeit. Neben der technischen Sicherheit der Deponien spielen langfristige Finanzierung, die Verringerung von Emissionen und die Einbindung der Öffentlichkeit eine zentrale Rolle.