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Artenvielfalt auf dem Betriebsgelände fördern

Wenig genutzte Grün- und Freiflächen auf Gewerbe- und Industriestandorten können wertvolle Lebensräume für Pflanzen und Tiere bieten. Eine Fachpräsentation der NFG Ökologischen Station Borna-Birkenhain e. V. zeigte am 11. Juni 2026, wie sich die Artenvielfalt auf dem Betriebsgelände mit praxiserprobten Maßnahmen fördern lässt.

Potenziale wenig genutzter Firmenflächen

Gewerbe- und Industrieflächen machen in Deutschland knapp ein Fünftel der Siedlungsfläche aus. Auf nahezu jedem Betriebsgelände befinden sich wenig genutzte Grün- und Freiflächen, die bei geeigneter Gestaltung und Pflege Potenzial für eine artenreiche Flora und Fauna besitzen.

Ziel ist eine naturnahe Gestaltung und extensive Bewirtschaftung der vorhandenen Flächen. Dafür kommen unterschiedliche Maßnahmen infrage:

  • Schmetterlingswiesen und Insektenhotels,
  • Dach- und Wandbegrünungen,
  • Strauchpflanzungen und Streuobstwiesen,
  • Nistkästen und Fledermauskästen,
  • Totholz- und Steinhaufen,
  • Staudenpflanzungen und Sandarien,
  • eine gestaffelte und extensive Grünpflege.

Praxisbeispiele auf dem WEV-Betriebsgelände

Die vorgestellten Maßnahmen wurden auf dem Betriebsgelände der Westsächsischen Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft mbH umgesetzt. Dabei wurden vorhandene Randflächen schrittweise ökologisch aufgewertet und neue Lebensraumstrukturen geschaffen.

Die Projekte reichen von einzelnen Nisthilfen bis zu größeren Grünflächen, die durch Pflanzungen, Totholz, Steine, Sand und eine angepasste Pflege abwechslungsreicher gestaltet wurden.

Fledermauskästen an Gebäuden und Bäumen

Seit 2017 wurden Fledermauskästen an Nebengebäuden, am Verwaltungsgebäude und im vorhandenen Baumbestand installiert. Die Kästen schaffen zusätzliche Quartiere für Fledermäuse auf dem Betriebsgelände.

Bei baulichen Veränderungen werden gebäudebewohnende Tierarten berücksichtigt. Im Zusammenhang mit dem Umbau einer Transportbereitstellungshalle erfolgten Untersuchungen und eine fachliche Beratung zu geeigneten Ersatzquartieren.

Insektenhotel auf einer Wildblumenwiese

Im Jahr 2021 entstand gemeinsam mit einer Kindergruppe aus Espenhain ein Insektenhotel. Verwendet wurden Holz, Lehm, Bambusrohr und Schilf. Das Grundgerüst wurde aus gebrauchten Stahlbohlen hergestellt.

Da Insekten neben geeigneten Nistplätzen auch Nahrung benötigen, wurde das Insektenhotel auf einer extensiv gepflegten Wildblumenwiese aufgestellt.

Aufwertung eines Randstreifens

Ein Randstreifen am Oberflächenwassersammelbecken wurde 2021 ökologisch aufgewertet. Zu den Maßnahmen gehörten:

  • die Pflanzung einzelner Großbäume,
  • Strauchpflanzungen,
  • die Anlage einer Totholzhecke.

Die unterschiedlichen Strukturen bieten Tieren Schutz und Nahrung. Zugleich entwickeln sich auf der Fläche vielfältigere Pflanzengesellschaften.

Dach- und Wandbegrünung

Begrünte Dächer und Fassaden werten das Landschaftsbild auf, verbessern das lokale Klima und schaffen zusätzliche Lebensräume. Auf dem Betriebsgelände wurden verschiedene Formen der Dach- und Wandbegrünung umgesetzt.

Ein weiteres Beispiel ist ein lebendiger Schriftzug aus Wildem Wein und Geißblatt. Die Kletterpflanzen wurden an einer vorbereiteten Rankkonstruktion angepflanzt und entwickelten sich bis 2025 zu einem begrünten KEA-Schriftzug.

Streuobstwiese mit regionalen Obstsorten

Im Jahr 2022 wurde eine Streuobstwiese angelegt. Die Vielfalt der Obstsorten soll heimischen Tier- und Pflanzenarten unterschiedliche Lebensräume und Nahrungsangebote bieten.

Gepflanzt wurden unter anderem alte regionaltypische Sorten von Apfel, Birne, Kirsche und Pflaume. Genannt werden:

  • Sächsischer Königsapfel,
  • Gellerts Butterbirne,
  • Schwarze Knorpelkirsche,
  • Wangenheims Frühzwetschge.

Schilder mit Sortennamen und QR-Codes informieren über die gepflanzten Obstbäume. Die Wiese wird gestaffelt gepflegt.

Naturnahes Wasserfangbecken

Ebenfalls 2022 wurde das Wasserfangbecken am Parkplatz neu gestaltet. Nach einer Entschlämmung und einer anteiligen Entfernung des Schilfs entstanden zusätzliche Biotopstrukturen.

Die Maßnahmen umfassten:

  • Totholz- und Steinhaufen,
  • einzelne Strauchpflanzungen,
  • ausdauernde und winterharte Stauden.

Als verwendete Stauden werden Färber-Hundskamille, Moschus-Malve, Wiesen-Margerite und Wiesen-Salbei genannt.

Sandarium für bodennistende Wildbienen

Rund 75 Prozent der Wildbienenarten Deutschlands nisten im Boden. Deshalb wurde 2023 ein Sandarium angelegt.

Für die Anlage wurde Boden ausgehoben und ungewaschener Feinsand eingebaut. Ergänzt wurde die Fläche durch Totholz und wenige ausgewählte Blühpflanzen:

  • Rundblättrige Glockenblume,
  • Sandthymian,
  • Rispenflockenblume,
  • Karthäusernelke.

Die offene Sandfläche bietet bodennistenden Insekten geeignete Bedingungen für den Bau ihrer Nester.

Brutplätze in einer Steilwand

Eine Steilwand an einem Zwischenlager für Kulturboden wurde 2024 von Bienenfressern und Uferschwalben als Brutplatz genutzt. Der Betriebsablauf wurde an die Nutzung der Wand durch die Vögel angepasst.

Dieses Beispiel zeigt, dass auch vorübergehend entstandene Strukturen auf Betriebsgeländen eine wichtige Bedeutung für geschützte Tierarten entwickeln können.

Steinhaufen als Nist- und Lebensraum

Im Jahr 2024 wurde mit Unterstützung einer Kindergruppe im Rahmen eines Ferienprogramms ein Steinhaufen angelegt. Die Biotopstruktur umfasst eine Fläche von 14 Quadratmetern und erreicht eine Höhe von bis zu 1,5 Metern.

Der Steinhaufen dient unter anderem als Nistplatz für den Steinschmätzer. Gleichzeitig entstehen zwischen den Steinen Verstecke und Rückzugsräume für weitere Tierarten.

Artenschutz bei Bauvorhaben

Die NFG Ökologische Station Borna-Birkenhain e. V. berät die WEV bei artenschutzfachlichen Fragestellungen. Neben Untersuchungen an bestehenden Gebäuden betrifft dies auch die Planung neuer Anlagen.

Für den Neubau eines Gasspeichers wurden vorhandene Biotopstrukturen erfasst und Vorschläge zum Ausgleich des Biotopverlustes erarbeitet. Als Ausgleich ist die Anlage eines Zauneidechsenhabitats vorgesehen.

Artenvielfalt auf dem Betriebsgelände

Die Präsentation dokumentiert verschiedene Tierarten, die auf oder in der Umgebung der aufgewerteten Flächen vorkommen. Dazu gehören:

  • Weißstorch,
  • Goldammer,
  • Neuntöter,
  • Feldhase,
  • Wechselkröte,
  • Zauneidechse,
  • Schwalbenschwanz,
  • Veränderliche Krabbenspinne und Steinhummel.

Extensive und gestaffelte Grünpflege

Die langfristige Entwicklung der Flächen hängt wesentlich von einer angepassten Pflege ab. Vorgesehen sind ein bis drei Pflegedurchgänge pro Jahr.

Bei jedem Mahddurchgang bleiben zehn bis 30 Prozent der Fläche ungemäht, damit Insekten weiterhin Nahrung und Rückzugsräume finden. Zusätzlich werden folgende Grundsätze genannt:

  • Einsatz schneidender Mähgeräte,
  • Schnitthöhe von acht bis zehn Zentimetern,
  • Beräumung des Mahdgutes,
  • regelmäßige Mahd der Randstreifen.

Weitere geplante Maßnahmen

Im Ausblick wurden weitere Projekte für das Betriebsgelände vorgestellt:

  • Anlage eines Zauneidechsenhabitats,
  • Demonstrationsfläche mit artenreichem Trockenrasen, extensiv genutztem Grünland und artenarmem Intensivgrünland,
  • Pflanzung von Obstbäumen auf einer Länge von 200 Metern entlang der Nordostgrenze,
  • Nisthilfen für gefährdete Vogelarten wie Star, Wendehals und Wiedehopf,
  • Lesesteinhaufen auf sanierten Deponiebereichen.

Vorteile naturnaher Betriebsgelände

Die ökologische Aufwertung von Firmenflächen kann Lebensräume für Tierarten verbessern, heimische Pflanzen fördern, versiegelte Flächen reduzieren und eine extensive Pflege etablieren.

Als weitere Vorteile nennt die Präsentation die Förderung der Artenvielfalt, eine positive Stärkung des Firmenimages, eine Steigerung von Motivation und Kreativität sowie Synergieeffekte bei Kompensationsmaßnahmen.