Gipsrecycling bei der MUEG: Erfahrungen aus 10 Jahren
Im Rahmen des 4. Fachdialogs zum nachhaltigen Umgang mit dem Rohstoff Gips stellte die MUEG Mitteldeutsche Umwelt- und Entsorgung GmbH am 11. Juni 2026 Erfahrungen aus zehn Jahren Anlagenbetrieb vor. Der Fachbeitrag zum Gipsrecycling bei der MUEG erläuterte die Bedeutung von Recyclinggips, die technische Aufbereitung gipshaltiger Bauabfälle und die Anforderungen an eine hochwertige stoffliche Verwertung.
MUEG und ihre Aufgaben in der Kreislaufwirtschaft
Die MUEG Mitteldeutsche Umwelt- und Entsorgung GmbH hat ihren Sitz in Braunsbedra und ist an neun Standorten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg tätig. Zu ihren Arbeitsfeldern gehören die Verwertung von Kraftwerksreststoffen, die thermische Verwertung, die Umweltsanierung sowie das Recycling mineralischer und organischer Abfälle.
Im Recyclingbereich entstehen unter anderem folgende Produkte und Sekundärrohstoffe:
- Recyclinggips und Recyclingpapier,
- Mineralwoll-Recyclinggranulat,
- Recyclingschotter,
- Gesteinskörnungen für Straßenbau und Betonindustrie,
- Betonblocksteine aus Recyclingmaterial,
- Erden, Substrate und Grünschnittkompost.
Gips als Rohstoff für die Bauindustrie
Gips wird in unterschiedlichen Bauprodukten eingesetzt. Dazu gehören Gipskartonplatten, Gipsfaserplatten, Putze, Estriche sowie Gas- und Porenbetonsteine. Seine Material- und Verarbeitungseigenschaften führen nach Darstellung der Präsentation zu einem wachsenden Bedarf.
Als bisher wichtigste Rohstoffquellen wurden Naturgips und REA-Gips genannt. Durch den Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2038 werden wesentliche Mengen an REA-Gips künftig entfallen. Gleichzeitig steigt das Aufkommen gipshaltiger Abfälle aus Rückbauvorhaben. Diese Abfälle sollen daher verstärkt als Rohstoffressource genutzt werden.
Welche gipshaltigen Bauabfälle recycelt werden können
Für das Gipsrecycling werden derzeit überwiegend Abfälle aus Gipskartonplatten eingesetzt. Gipsfaserplatten können nur dann stofflich verwertet werden, wenn sie als sortenreine und störstofffreie Fraktionen vorliegen, beispielsweise als Verschnittreste.
Nach Angaben der Präsentation sind folgende Materialien für das eingesetzte Gipsrecyclingverfahren nicht geeignet:
- Gasbeton- und Porenbetonsteine,
- Gipsputze,
- Gipsestriche.
Für eine erfolgreiche Aufbereitung ist eine getrennte Erfassung der geeigneten Abfälle entscheidend. Ungenügende Getrennthaltung, Ablagerung auf Deponien, Entsorgung im Ausland und fehlende Abstimmungen mit Recyclingunternehmen erschweren die stoffliche Verwertung.

Gesetzliche Rahmenbedingungen für das Gipsrecycling
Die Präsentation verweist auf mehrere gesetzliche Vorgaben für gipshaltige Bauabfälle. Nach der Gewerbeabfallverordnung sind Baustoffe auf Gipsbasis getrennt zu sammeln und zur Wiederverwendung oder zum Recycling vorzubereiten.
Die Deponieverordnung untersagt die Verwertung gipshaltiger Abfälle als Deponieersatzbaustoff. Seit dem 1. Januar 2024 dürfen außerdem Abfälle, die einer Verwertung zugeführt werden können, nicht mehr abgelagert werden. Nach der Ersatzbaustoffverordnung dürfen gipshaltige Abfälle aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften nicht als Ersatzbaustoff eingesetzt werden.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen wurden in der Präsentation grundsätzlich positiv bewertet. Zugleich wurde festgestellt, dass sie in der Praxis noch unzureichend umgesetzt werden.
Gipsrecycling bei der MUEG in Großpösna
Die Gipsrecyclinganlage der MUEG befindet sich in Großpösna. Die Planungen begannen 2012, die Inbetriebnahme erfolgte 2014.
- Genehmigte Anlagenkapazität: 75.000 Tonnen pro Jahr
- Gesamtfläche: rund 15.000 Quadratmeter
- Hallenbereiche: rund 5.000 Quadratmeter
- Kapazität des Inputlagers: 2.500 Tonnen
- Personalbedarf: drei Beschäftigte pro Schicht
- Einzugsgebiet: rund 200 Kilometer
Zum Einzugsgebiet zählen die neuen Bundesländer, Bayern, Hamburg sowie Teile Hessens und Niedersachsens.
Technischer Ablauf der Aufbereitung
Die technische Aufbereitung verfolgt vier wesentliche Ziele:
- Trennung des Gipskerns von der Kartonage,
- Abtrennung von Störstoffen,
- Einstellung der erforderlichen Korngröße,
- Einhaltung der Qualitätsanforderungen der deutschen Gipsindustrie.
Der Prozess besteht aus mehreren Zerkleinerungs- und Klassierungsschritten. Da Gips eine geringe Härte besitzt, ist eine Zerkleinerung mit vergleichsweise niedrigem Energieeintrag möglich. Die Korngröße lässt sich gezielt beeinflussen, während die weniger stark zerkleinerten Kartonagen besser vom Gips getrennt werden können.
Für die Aufbereitung können abhängig vom jeweiligen Verfahrensschritt unter anderem Prall-, Schrauben-, Walzen- und Hammermühlen sowie Backenbrecher eingesetzt werden. Eine genaue Abstimmung von Zerkleinerung, Siebung und Sichtung ist für die saubere Trennung von Gips, Papier und Fremdstoffen entscheidend.
Anforderungen an das Inputmaterial
Die Qualität des angelieferten Materials beeinflusst den gesamten Aufbereitungsprozess. Problematisch sind insbesondere Fremdstoffe sowie eine zu hohe Feuchtigkeit.
Als mögliche Störstoffe wurden genannt:
- Fliesen, Beton, Putz und Gipsfaserplatten,
- Holz, Folien und Kunststoffe,
- Styropor und Dämmmaterial,
- Metalle und weitere Fremdstoffe.
Der Störstoffanteil kann nach Angaben der Präsentation bis zu fünf bis zehn Masseprozent betragen. Sortenreine und möglichst störstoffarme Gipskartonabfälle bilden daher die Grundlage für einen stabilen Recyclingprozess.
Recyclingprodukte und Recyclingquote
Aus den aufbereiteten Gipskartonabfällen entstehen verschiedene Recyclingmaterialien. Genannt wurden die Gipsfraktionen Casubase 0/2 und Casubase 2/5 sowie das abgetrennte Papier.
Die Präsentation weist für den Aufbereitungsprozess eine Recyclingquote von mehr als 90 Prozent aus.
Qualitätssicherung bei Recyclinggips
Die Qualitätssicherung beginnt bereits bei der Annahme des Inputmaterials. Die MUEG definiert Annahmebedingungen und schließt unter anderem biologisch oder radioaktiv verunreinigte sowie asbesthaltige Abfälle aus.
Beim Output werden täglich zentrale Parameter wie Reinheit, organischer Kohlenstoffgehalt und Feuchte kontrolliert. Nach jeweils 1.000 Tonnen werden zusätzlich unter anderem pH-Wert, Korngröße, Salzgehalte und Asbest untersucht.
Ein erweitertes Prüfprogramm umfasst außerdem Schwermetalle im Feststoff und Eluat, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Radioaktivität. Die Analysen werden durch ein akkreditiertes Labor durchgeführt. Nach Darstellung der Präsentation sind diese Untersuchungen umfangreicher als bei REA- oder Naturgips.
Entwicklung der Mengen
Die in der Präsentation dargestellte Mengenentwicklung zeigt einen Anstieg der recyclingfähigen Gipsabfälle, die zur Anlage in Großpösna geliefert wurden. Für 2025 wurde ein Trend von rund 60.000 Tonnen recyclingfähigem Material dargestellt.
Gleichzeitig verbleibt eine Menge nicht recyclingfähiger Gipsabfälle. Die weitere Verbesserung von Getrennthaltung, Kontrolle und Abstimmung zwischen Abfallerzeugern und Recyclingunternehmen bleibt deshalb eine zentrale Aufgabe.
Gipsrecycling als Beitrag zur Rohstoffsicherung
Die Erfahrungen aus zehn Jahren Anlagenbetrieb zeigen, dass geeignete gipshaltige Bauabfälle technisch zu hochwertigen Recyclingmaterialien aufbereitet werden können. Voraussetzung sind sortenreine Stoffströme, eine zuverlässige Qualitätssicherung und die konsequente Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben.
Mit dem absehbaren Rückgang von REA-Gips gewinnt Recyclinggips als Sekundärrohstoff für die Bauindustrie weiter an Bedeutung.
